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Ver­bre­chen im Glas!

Tat­ort war Caglia­ri, die Haupt­stadt Sar­di­ni­ens, an einem mit­tel­war­men Mon­tag­nach­mit­tag direkt am Hafen in einer Wein­bar. Als beken­nen­der Fran­cia­cor­ta-Fan war ich ange­nehm über­rascht, als ich auf der Kar­te einen eben­sol­chen im Offen­aus­schank erspäh­te. Mei­ne Vor­freu­de stieg, als ich den Kell­ner nach getä­tig­ter Bestel­lung mit einem schön gros­sen und auch gut gefüll­ten Glas an mei­nen Tisch steu­ern sah. Dann bemerk­te ich kon­ster­niert am Boden mei­nes mit Freu­den erwar­te­ten Gla­ses eine ein­sa­me grü­ne Oli­ve. Jetzt mal abge­se­hen davon, dass ich im Grund­satz nicht wirk­lich zu den Lieb­ha­bern die­ser Frucht zäh­le, taxier­te ich dies als klei­nes Ver­bre­chen im Glas. Ich glau­be kaum, dass der Win­zer, der die­se Fla­sche sicher­lich mit viel Hin­ga­be ein paar Jah­re in sei­nem Kel­ler gela­gert, resp. mit viel Kön­nen schluss­end­lich gerüt­telt hat, dies mit Blick auf den der­ein­sti­gen Ser­vice sei­nes Erzeug­nis­ses im Duett mit einer Oli­ve getan hat. Zuge­ge­ben, durch die­sen klei­nen, unför­mi­gen Ball begann sich die Koh­len­säu­re in mei­nem Glas dar­an zu sam­meln und der Wein begann leb­haft zu spru­deln. Nun gut, das Auge trinkt bekannt­lich mit und so regi­strier­te ich, dass sich bei mir eine leicht posi­ti­ve Erwar­tung auf „Fri­sche“ ein­stell­te. Mei­ne Berüh­rungs­äng­ste über­win­dend gönn­te ich der Wein­bar eine Chan­ce und mir einen ersten Schluck. Ich habe es natür­lich nicht gese­hen, doch ich ver­mein­te, dass mei­ne Augen­brau­en sich über­rascht mei­ner Stirn ent­ge­gen scho­ben: Die Fri­sche zog sich voll an den Gau­men und noch bes­ser, die Aro­ma­tik brei­te­te sich, getra­gen von der Fri­sche, wun­der­bar in mei­ner bereits leicht ange­trock­ne­ten Mund­höh­le aus. Ich reim­te mir zusam­men, dass sich durch das Cor­pus Delic­ti die Koh­len­säu­re viel schnel­ler und stär­ker im Wein löste und so logi­scher­wei­se ein inten­si­ve­res Sin­nes­er­leb­nis aus­lö­ste. Um den berühm­ten Feri­en­ef­fekt aus­zu­schal­ten, habe ich das Expe­ri­ment zuhau­se wie­der­holt – mit dem­sel­ben Ergeb­nis.

Übri­gens, die Oli­ve habe ich dann auch noch geges­sen und zwar von allen drei Glä­sern….

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