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Jung­win­ze­rin Giu­lia Negri: «Ich pro­du­zie­re die Wei­ne nach mei­nem Instinkt.»

Das Pie­mont ist der Ursprung gross­ar­ti­ger, ita­lie­ni­scher Wei­ne. In die­ser berühm­ten Anbau­re­gi­on sorgt ein jun­ges Win­zer-Talent für Auf­se­hen: Giu­lia Negri pro­du­ziert Spit­zen­ba­ro­li – auf tra­di­tio­nel­le Art und Wei­se.

Por­trait & Text: Bel­le­vue NZZ Wein­kel­ler von Peter Kel­ler

«Wein ist der Aus­druck zwi­schen der Bezie­hung von Mensch und Erde», sagt Giu­lia Negri. Er sei das Resul­tat des Bodens, des Wet­ters, der Arbeit des Win­zers. Die 30-jäh­ri­ge Ita­lie­ne­rin ist die­sem ein­zig­ar­ti­gen Getränk ver­fal­len und hat vor rund fünf Jah­ren den Fami­li­en­be­trieb im Pie­mont über­nom­men. Sie befin­det sich auf dem besten Weg, die Hier­ar­chie in die­sem bekann­ten Anbau­ge­biet auf den Kopf zu stel­len.
Dabei war es mehr als unge­wiss, dass die in Paler­mo gebo­re­ne und in Rom auf­ge­wach­se­ne Negri eine Kar­rie­re als Win­ze­rin ein­schla­gen soll­te. In Mai­land stu­dier­te sie Bio-Tech­no­lo­gie und arbei­te­te in einem Spi­tal in der Krebs-For­schung. Der Wein war weit weg. Aber eine Rei­se ins Bur­gund brach­te eine weg­wei­sen­de Erkennt­nis und besei­tig­te alle Zwei­fel: Ihre Zukunft liegt im Wein, genau­er: in La Mor­ra, im Her­zen des Pie­monts und der gros­sen Baro­lo-Wei­ne.

Eine Sor­te mit gros­ser Per­sön­lich­keit.

Das Wein­gut umfasst eine Reb­flä­che von 6,5 Hektaren sowie ein Wald­stück von 12 Hektaren, wo die berühm­ten weis­sen Alba-Trüf­feln gedei­hen. Die nach bio­lo­gi­schen Kri­te­ri­en bear­bei­te­ten Wein­gär­ten lie­gen auf einer Höhe zwi­schen 350 und 540 Metern über Meer. Zuoberst befin­det sich die Ein­zel­la­ge Serra­de­na­ri, der höch­ste Reb­berg im gesam­ten Baro­lo-Gebiet. Das sind opti­ma­le Vor­aus­set­zun­gen für den Neb­bio­lo, der für die unge­wöhn­lich lang­le­bi­gen Gewäch­se ver­ant­wort­lich ist. Es hand­le sich um eine Sor­te mit gros­ser Per­sön­lich­keit, schwärmt Giu­lia Negri. Nicht kopier­bar, ein­zig­ar­tig, maje­stä­tisch.
Aller­dings ist es nicht ganz ein­fach, den Neb­bio­lo zu zäh­men. Aber wenn die Erträ­ge limi­tiert und die Tan­ni­ne reif wer­den, dann ent­ste­hen kom­ple­xe, unwi­der­steh­li­che Wei­ne. «Ich will kräf­ti­ge, aber kei­ne fet­ten Crus erzeu­gen», ergänzt Negri. Ihre Trop­fen sol­len sich zugleich ele­gant, lang­an­hal­tend, sal­zig prä­sen­tie­ren – und vor allem viel Ver­gnü­gen berei­ten. Sie zei­gen, wo sie her­kom­men. Im Kel­ler unter­nimmt Giu­lia wenig, denn im Grun­de genom­men sei die Vini­fi­ka­ti­on sehr ein­fach. «Ich pro­du­zie­re die Wei­ne nach mei­nem Instinkt», ver­rät die prag­ma­ti­sche, aber nicht dog­ma­ti­sche Ita­lie­ne­rin.

Tra­di­tio­nell und doch modern.

Sie habe eine spe­zi­el­le Bezie­hung zu jedem Tank oder Fass. Ihre Baro­li ent­ste­hen auf tra­di­tio­nel­le Art und Wei­se. Die Gärung erfolgt spon­tan mit wil­den Hefen und ohne Tem­pe­ra­tur­kon­trol­le. Sie maze­riert lan­ge, rund ein­ein­halb Mona­te in 60 Hek­to­li­ter gros­sen Holz­gär­stän­dern. Auch für den Aus­bau gönnt sie den Wei­nen viel Zeit. Er dau­ert bis zu 30 Mona­ten in 2500 Liter fas­sen­den Fäs­sern aus sla­wo­ni­scher Eiche.
Bar­ri­ques, wie sie von gewis­sen Pro­du­zen­ten ver­wen­det wer­den, kom­men bei Negri ledig­lich für den Pinot noir und Char­don­nay zum Ein­satz. Das sind Sor­ten, die man nicht zwin­gend im Pie­mont erwar­tet. Sie zei­gen aber, dass die Win­ze­rin nicht nur tra­di­tio­nell, son­dern auch modern denkt.

Am Anfang der Kar­rie­re.

Giu­lia Negri steht erst am Anfang einer wohl stei­len Kar­rie­re, denn ihre Baro­lo-Wei­ne sind bereits jetzt ein­zig­ar­tig, atem­be­rau­bend. Die Ent­deckun­gen sind nicht gün­stig, aber im Ver­gleich zu ande­ren Bei­spie­len ange­sichts der hohen Qua­li­tät trotz­dem ein Schnäpp­chen.
Sie sei neu­gie­rig, wei­ter zu ler­nen. Noch weiss die Win­ze­rin nicht, wel­che Plä­ne sie künf­tig ver­wirk­li­chen will. Sie weiss aber: «Wenn man die Frei­heit im Geist und im täg­li­chen Leben besitzt, kann man sich in jeder Peri­ode des Lebens ver­än­dern und träu­men». So näm­lich lau­tet das Mot­to von Negri, die in ihrer Frei­zeit ger­ne liest und reist. Ich träu­me vor­erst von ihren Wei­nen.

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