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Jakobsmuscheln mit Noilly Prat und Syrah?

Die Jakobsmuschel auf dem Teller, optimal zubereitet, ein Festessen – ein kleines Glas des Vermouth Noilly Prat auf Eis zum Apéro, ein absoluter Genuss – ein würziger Syrah zu einem aromatischen Wild, eine Gedicht! Doch alles gleichzeitig, das käme mir nun wirklich nicht in den Sinn.

Doch schön der Reihe nach: Ort der kulinarischen Überraschung war das südfranzösische Marseillan, in einem lauschigen Hafenrestaurant bei mediterranen 27 Grad um neun Uhr abends. Auf der Karte meine so heiss geliebten Jakobsmuscheln. Nach meiner bisherigen Meinung nur perfekt, wenn scharf angebraten, mit Weisswein abgelöscht und mit frisch gemahlenem Pfeffer, grobkörnigem Fleur de Sel und einem kühlen Glas knochentrockenem Sancerre. Doch auf dieser Karte stand irgendwas von wegen „…mûri par Noilly Prat“, was natürlich nicht sehr erstaunt hat, ist doch Marseillan die Heimat des Noilly Prat. Soweit so gut, man ist ja flexibel und beleidigen sollte man ja einen stolzen französischen Chefkoch auch nicht, indem man seine noble Noilly Prat-Jakobsmuschel durch mein profanes Pfeffer-Sals-Rezept ersetzt haben möchte. Bei der Wahl des Weines brach dann die vermeidliche önologische Katastrophe über mich herein, denn der Rest des Tisches verlangte es nach Rotwein (diese Banausen hatten doch tatsächlich Fleischgerichte bestellt – in Südfrankreich!!). Aber gut, wie üblich hatte ich die Weinkarte in der Hand und mein Blick wanderte etwas hilflos über die Liste der roten Weine. Die beste Ehefrau von allen (bei Kishon geklaut) bemerkte meine aufkeimende Verzweiflung und schlug vor, doch die Chefin des Hauses, die gleichzeitig unsere Bedienung darstellte, etwas empfehlen zu lassen und somit die Verantwortung folgerichtig von mir abzuwenden – ich wusste dies zu schätzen. Dann kam eben dieser Syrah auf den Tisch und dies sogar mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass dieser heimische Tropfen speziell gut zu den Jakobsmuscheln à la Noilly Prat passen würde – schon klar, das musste sie ja sagen….

Doch ich komme nicht umhin zu sagen, dass es für mich tatsächlich eine kleine lukullische Sensation abgesetzt hat! Die Jakobsmuschel konnte ihre enorm zarte Aromatik unterstützt von der elegant-süsslichen Todessüsse des Noilly Prat perfekt ausspielen. Und der leicht gekühlte, im Edelstahl ausgebaute Syrah hat trotz seiner Würzigkeit wunderbar harmoniert.

Ich habe dann zwecks Ausdrucks meiner Begeisterung die Miniatur-Küche nach dem köstlichen Mal besucht und ein wenig mit dem Noilly Prat-Verarbeiter geplaudert. Natürlich wollte ich das Rezept haben, doch dieser „sture“ Franzose hat nur ansatzweise herausgerückt. Ich werde wohl zuhause ein wenig tüfteln müssen, doch untenstehend das, was ich verstanden habe.

Zur Vorbereitung hat er die armen Muscheln wohl mit Noilly Prat mariniert. Start dann mit Zwiebeln ganz fein geschnitten, kurz angeschwitzt und mit Noilly Prat abgelöscht. Dann Gemüse-Bouillon dazu, einen rechten Becher Vollrahm darunter und köcheln lassen. Dann tippe ich neben dem obligaten Salz und Pfeffer auf ein wenig Muskatnuss zum abschmecken (auch wegen der kleinen schwarzen Pünktchen in der Sosse). Er hat dann noch mit einer Art überdimensionalen Parfümflasche mit Sprühfunktion herumgefuchtelt. Ich vermute, dass er darin wiederum Noilly Prat hatte, um diesen über die Muscheln zu versprühen. Schlussendlich hat er die Sosse kurz vor dem servieren sicherlich aufgeschäumt und dann mit etwas Kerbel darüber geschickt – klingt simpel, doch das Verhältnis der Zutaten wird die Perfektion ausmachen.

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